Programm 2013

DAS PROGRAMM DER LDÄÄ

LISTE DEMOKRATISCHER ÄRZTINNEN UND ÄRZTE (LDÄÄ)

LISTE 6

Wahl zur Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen 2013
Für ein solidarisches Gesundheitswesen – gegen Kommerzialisierung der Medizin – Gesundheit ist keine Ware

PRÄAMBEL

Wir wollen nicht untätig einer Kommerzialisierung des Gesundheitswesens zusehen, die soziale Verantwortung ökonomischen Zielsetzungen unterordnet. Krankheit kann nicht unabhängig von den gesellschaftlichen Bedingungen verstanden werden – Krankheit ist ohne eine verantwortungsvolle Friedens-, Umwelt- und Sozialpolitik nicht angemessen behandelbar.

Wir treten ein für menschliche und familienfreundliche Arbeitsbedingungen, ausreichende Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten und eine leistungsgerechte Bezahlung aller Berufsgruppen.

Wir sprechen Sie als Kolleginnen und Kollegen gezielt auf die Möglichkeiten der Gestaltung in der Landesärztekammer Hessen an. Nur mit persönlichem Engagement können wir etwas verändern!

FÜR SIE STEHT DER PATIENT IM MITTELPUNKT IHRES ÄRZTLICHEN DENKENS UND HANDELNS?

Patienten sind keine „Kunden“, sondern kranke Menschen. Menschenwürdige Medizin darf nicht unter dem Diktat betriebswirtschaftlicher Rentabilität stehen. Wir sind keine  Gesundheitstechniker, sondern brauchen Zeit und Raum für die individuelle Betreuung unserer Patienten und ein geschütztes Verhältnis zu ihnen. Wir arbeiten eng mit der Friedens- und Selbsthilfebewegung zusammen. Sozial Schwache, Opfer von Gewalt und Folter sowie Suchtkranke müssen den nötigen Zugang zum Gesundheitswesen erhalten. Die Mitwirkung von Ärzten bei Abschiebungen insgesamt und bei traumatisierten Asylsuchenden speziell ist abzulehnen.

Wir setzen uns ein:

  • Für den umfassenden Schutz des Arztgeheimnisses und lehnen die eCard (ePK) in der geplanten Form ab!
  • Für Menschenrechte, Absicherung der Gesundheit, Prävention und ökologische Verantwortung – auch für alte, arme, chronisch und psychisch Kranke– durch eine solidarische Krankenversicherung!
  • Für Prävention, ökologische Verantwortung, Menschenrechte, medizinische Versorgung von Nichtsesshaften, Migranten, Asylbewerbern und „Papierlosen“!
  • Gegen den Ausbau der Mehrklassenmedizin, gegen die Privatisierung und Kommerzialisierung der Medizin, bei der Kostendämpfung und Gewinnmaximierung zu Lasten der Patienten geht!
  • Gegen eine ausufernde IGeL-Praxis!
  • Gegen die monetären Leistungsanreize im Gesundheitssystem (z.B. im Sinne der Prävention, Bedarfsorientierung, Qualitätssicherung)!

IHNEN IST DIE RETTUNG DER KOMMUNALEN KRANKENHÄUSER ELEMENTAR WICHTIG?

Wir sind gegen eine Privatisierung von Krankenhäusern, da die Gewinn- und Renditeansprüche der Betreiber auf dem Rücken des Personals und der Patienten erwirtschaftet werden! Schwestern, Pfleger und Ärzte klagen insbesondere bei privaten Krankenhausketten über eine drastische Arbeitsverdichtung und personelle Unterausstattung. Aber: Patientenzentrierte Medizin braucht Zuwendungszeit!
Wir wollen keine Kompromisse eingehen in der Patientenbetreuung und -therapie, der Pflegequalität, der Patientenbeobachtung und auch nicht in der Hygiene!

Wir setzen uns ein:

  • Für das Primat medizinisch motivierter Entscheidungen und gegen den Zwang, ausschließlich nach betriebswirtschaftlichen Vorgaben und Benchmark-Erfüllung handeln zu müssen!
  • Für eine ausreichende personelle Besetzung im Bereich der (Krankenhaus-) Hygiene – Hygieniker, Hygienefachkräfte und qualifiziert weitergebildetes Pflegepersonal ist unabdingbar. Nur so ist eine qualitativ hochwertige (Krankenhaus)- Hygiene zu bekommen, ausschließlich technische Lösungsansätze führen hier eindeutig zu schlechter hygienischer Qualität!
  • Gegen die Finanzierung über Fallpauschalen – diese begünstigt in den Kliniken gut zu rationalisierende Therapien und benachteiligt Bezugspflege und Fallverantwortung.
  • Für eine angemessene, menschenwürdige Behandlung unserer Patienten, auch von Patienten mit hohem Pflegebedarf sowie mit seltenen Erkrankungen!
  • Gegen sittenwidrigen Arbeitsverträge mit Klinikleitern:
    – keine Bonus-Vereinbarung;
    – keine einseitigen Vereinbarungen zu Lasten der medizinisch Verantwortlichen zum Arbeitszeitgesetz und zur Qualitätssicherung;
    – Zustimmung der/s Ethikkommission/-komitees zum Arbeitsvertrag und Schaffung von Sanktionsmöglichkeiten bei Zuwiderhandlung;
    – uneingeschränktes Recht der öffentlichen Meinungsäußerung für den Klinikleiter zu Angelegenheiten der medizinischen Versorgung in dessen Verantwortungsbereich!
  • Für eine Revision des SGB: statt „ausreichende Versorgung“ (z.B. SGB5§12(1): „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein“) muss eine „bestmögliche Versorgung“ (UNO-Resolution von 1989 und Übernahme in Deutschland 1992) implementiert werden.

SIE WOLLEN IM AMBULANTEN BEREICH ENDLICH WIEDER ÄRZTLICH TÄTIG SEIN?

Das aktuelle Honorierungssytem macht es schwer, eine bedarfsgerechte Grundversorgung der Patienten durchzuführen, ohne die eigenen Ressourcen über Gebühr auszubeuten.

Wir setzen uns ein:

  • Für eine hausarztzentrierter Versorgung unter Berücksichtigung der fachgerechten Versorgung von Kindern und Jugendlichen und verbesserter patientenbezogener Kooperation zwischen Haus- und Fachärzten, zwischen Praxen und Krankenhäusern!
  • Für die bedarfsgerechte palliativmedizinische Betreuung  und Versorgung Schwerkranker
  • Für eine sinnvolle Versorgung – trotz steigender Arztzahlen gibt es medizinisch unterversorgte Gebiete. Ärztemangel und gleichzeitige Überversorgung sind eine absurde Folge unzureichender Bedarfsplanung im Gesundheitswesen!

SIE MEINEN, DASS KINDER UND JUGENDLICHE EINE IHREM ALTER ANGEMESSENE MEDIZINISCHE BETREUUNG DURCH GUT AUSGEBILDETET FACHÄRZTE BRAUCHEN?

Wir meinen: Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft.

Mit fortschreitender Alterung der Gesellschaft wird ihre Unterstützung immer schwieriger. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie bedürfen einer altersgerechten medizinischen Versorgung in Klinik und Praxis – sie benötigen altersgerechte Forschung zur Entwicklung von Medikamenten und Behandlungsmethoden. Wir wollen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen optimale Bedingungen schaffen.

Wir setzen uns ein:

  • Für die Abschaffung des DRG-Systems zumindest für Kinder und Jugendliche!
  • Für rationale Strukturierung der ambulanten Versorgung (z.B. nächtlicher Notdienst für Kinder, angemessene Versorgung chronisch kranker Kinder)
  • Für die strukturierte Vernetzung der Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie mit den lokalen und überörtlichen  Bildungs- und Sozialeinrichtungen!
  • Gegen die Abwälzung sozialpolitischer Aufgaben wie Kinderschutz und pädagogische Förderung auf das Gesundheitssystem!

SIE MEINEN, DASS PSYCHOTHERAPIE UND PSYCHOSOMATIK, VON ÄRZTEN AUSGEÜBT, EIN WESENTLICHER, FACHÜBERGREIFENDER BESTANDTEIL DER MEDIZINISCHEN VERSORGUNG SIND?

In unserer Gesellschaft brauchen wir den Ausbau und die Sicherstellung der Psychotherapie in der ärztlichen Praxis sowie in der Forschung. Die flächendeckende ambulante und stationäre psychosomatische und psychiatrische Versorgung muss materiell abgesichert werden, so dass auch chronisch Kranke adäquat versorgt  werden können. Gerade in einer Zeit, in der die Zahl und die Schwere der psychischen Erkrankungen zunimmt, gibt es zunehmend Bestrebungen, Langzeittherapien und damit auch die grundlegend wirksamen psychoanalytischen Behandlungen zu begrenzen und durch manualgesteuerte Kurzzeitbehandlungen zu ersetzen.

Wir setzen uns ein:

  • Für den Erhalt der Richtlinienverfahren in ihrem bisherigen Umfang und als Grundleistung – insbesondere auch der Langzeitbehandlungen!
  • Für die Integration psychosomatischen Denkens und Handelns in alle Facharztausbildungen und alle Bereiche ärztlicher Tätigkeit!
  • Für den Erhalt der Vielfalt in allen Bereichen (psychiatrischer, neurologischer und psychosomatischer Facharzt, psychotherapeutischer Zusatztitel in allen somatischen Fächern)!
  • Für die angemessene Vergütung der zeitintensiven Betreuung von chronisch psychiatrisch Kranken!
  • Psychotherapie und Psychosomatik müssen ärztliche Leistungen bleiben – dieses Feld darf nicht ausschließlich den Psychologischen Psychotherapeuten überlassen werden!

SIE FINDEN IHRE MÖGLICHKEITEN UNZUREICHEND, ALS ÄRZTIN BERUFLICH UND GESELLSCHAFTLICH WIRKSAM ZU SEIN?

Ca. zwei Drittel der Studienanfänger und über 50 Prozent der ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte sind Frauen, dennoch findet sich in den Chefetagen nur mehr ein Bruchteil von ihnen wieder. Viele Kolleginnen verzichten auf den Wiedereinstieg in das Berufsleben.

Wir setzen uns ein:

  • Für sinnvolle und nachhaltige Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf!
  • Für die Beteiligung von Ärztinnen an Spitzenpositionen in Praxis, Klinik und Berufspolitik – entsprechend ihrer Bedeutung und Anzahl!
  • Gegen den Mangel an akademischen Nachwuchs durch familien- und frauenfeindliche Arbeitsbedingungen der Uni-Kliniken!

IHNEN IST BEDARFSGERECHTE FAMILIENPLANUNG EIN WICHTIGES ANLIEGEN?

In den letzten Jahren ist es für viele Menschen zum Problem geworden, Verhütung zu finanzieren. Für Menschen mit geringem Einkommen  werden die Kosten seit der Hartz-IV-Praxis nicht mehr wie früher von den Sozialämtern übernommen, Sterilisationen nicht mehr über die Krankenkassen finanziert.

Wir setzen uns ein:

  • Für die Finanzierung von Verhütungsmaßnahmen für Menschen mit geringem Einkommen!
  • Gegen das mit unerwünschten Schwangerschaften verbundene große Leid als Folge finanzieller Not!

SIE ERWARTEN MENSCHENWÜRDIGEN ARBEITSBEDINGUNGEN UND QUALITATIV HOCHWERTIGE FORT- UND WEITERBILDUNG – AUCH FÜR ÄRZTINNEN UND ÄRZTE?

Ärztinnen und Ärzte verbringen heute mehr Zeit am PC und vor Formularen als mit Patienten. Diese werden zu Fällen und Diagnosen, deren Codes Liegezeiten und Behandlungen rechtfertigen. Die Arbeit unterliegt einem erbarmungslosen Zeittakt, die Humanität bleibt auf der Strecke. Patienten werden in enge Raster gepresst, Arztbriefe bereits am Aufnahmetag geschrieben, Auseinandersetzungen mit dem MDK und Kostenträgern rauben Zeit und Energie, die für die Behandlung verloren geht.

Wir setzen uns ein:

  • Für den Erhalt der Kollegialität – durch Kurzzeitverträge und Auslagerung vieler Dienstleistungen aus dem Krankenhaus entstehen prekäre Lebenssituationen und steigender Konkurrenzdruck, inner- wie interdisziplinär!
  • Für den Erhalt der Bedeutung und Verbreitung von Psychosomatik und Psychotherapie!
  • Gegen die Schematisierung des ärztlichen Handelns, der Blick auf den ganzen Menschen darf nicht zum unfinanzierbaren Luxus werden!

SIE FRAGEN SICH: FORSCHUNG UND INNOVATION – CUI BONO?

Privatisierung von Universitätskliniken und akademischen Lehrkrankenhäusern, Mittelknappheit und enge Budgetgrenzen lassen kaum Spielraum für industrie-unabhängige Versorgungsforschung; das bewirkt Einseitigkeit und Abhängigkeit. Das Fehlen von qualitätsorientierten Leistungsanreizen (z.B. Verhinderung von Frühgeburt, nosokomialer Infektion oder Folgeschäden bei chronischer Erkrankung) ist nicht nur für die Existenz der Universitätskliniken, sondern letztlich auch für die Leistungsfähigkeit unseres gesamten Gesundheitssystems essentiell.
Die biologischen, psychologischen und soziologischen Besonderheiten von Frauen und Kindern schlagen sich in den Forschungsansätzen noch viel zu wenig nieder.

Wir setzen uns ein:

  • Für den Einsatz öffentlicher Gelder in der Gesundheitsforschung!
  • Für die Förderung klinischer Studien in Universitäten und deren Unabhängigkeit von Sponsoren der Wirtschaft bzw. Industrie!
  • Für ganzheitliche Präventions- und Therapieansätze!
  • Für die Förderung des akademischen Nachwuchses (insbesondere durch familiengerechte Arbeitsbedingungen)!
  • Für eine geregelte, hochwertige, pharmaunabhängige, psychische und soziale Dimensionen einbeziehende Fort- und Weiterbildung aller Kolleginnen und Kollegen sowie der übrigen medizinischen Berufe!
  • Gegen das zunehmende Outsourcing von klinischen Studien an privatwirtschaftliche Institutionen und dem damit verbundenen Fehlen unabhängiger klinischer Forschungsergebnisse!
  • Für die Verpflichtung zur Veröffentlichung der Studienergebnisse aller genehmigter und durchgeführten Studien!

IHNEN IST UMWELTSCHUTZ ZUM PATIENTENWOHL EIN ANLIEGEN?

Viele Umwelteinflüsse machen uns und unsere Patienten krank. Wir Ärzte müssen unseren Einfluss geltend machen, damit solche Krankheiten gar nicht erst entstehen, anstatt sie ausschließlich zu bekämpfen. Wir treten daher für eine konsequente Umweltpolitik ein, die Verkehr, Lärm, Stress, Abgase, „Treibhausgase“,  und andere Umweltgifte als Krankheitsverursacher offen legt und für deren Reduktion sorgt.

Wir setzen uns ein:

  • Für eine Stärkung des umweltmedizinischen Ansatzes, der gemeinsam mit der Krankenhaus- und Umwelthygiene einen präventiven Ansatz verfolgt. Ziel der umweltmedizinischen Hygiene ist, gesundheits- gefährdende Umwelteinflüsse zu erkennen, zu beschreiben und nachteilige Einflüsse für alle Betroffenen zu verhindern!
  • Ärztliche Kompetenz muss vorbeugend in umweltpolitische Entscheidungen einfließen! Wir wollen präventives ärztliches Engagement fördern und nicht ökonomischen Zwängen opfern!
  • Für die Präsenz von umweltmedizinischen Fragestellungen mit höchster Kompetenz in den Medien!

SIE WOLLEN EINE GENERATIONENGERECHTE RENTE?

Renten und Anwartschaften müssen auch und gerade in schwierigem Kapitalmarktumfeld, Niedrigzinsphasen und trotz längerer Lebenserwartung planbar, sicher, generationen- und geschlechtergerecht sein.

Wir setzen uns dafür ein:

  • Dass Überschüsse sowohl für Renten-, als auch für Anwartschaftserhöhungen verwandt werden!
  • Dass die Kapitalanlage, soweit als möglich, auch ethische und nachhaltige Kriterien berücksichtigt!
  • Dass solidarische Elemente zur Absicherung von Berufsunfähigkeitsrentnern und Hinterbliebenen (auch von eingetragenen Lebenspartnerschaften) angemessen berücksichtigt werden!
  • Dass steuerfinanzierte Kindererziehungszeiten auch für unsere Mitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt und ausgebaut werden!

IHNEN IST DIE E-CARD WEITERHIN SUSPEKT?

Dem vermeintlichen Vorteil bei der massenhaften Nutzung der E-Card stehen erhebliche Bedenken entgegen. Nach wie vor sind Datenschutzaspekte nicht gelöst. Die Frage, wer, wann, auf welche Daten zugreifen kann und auf welche Weise die Patienten ihr Selbstbestimmungsrecht über ihre Daten ausüben können, ist weiterhin juristisch nicht sauber gelöst. Ein Problem stellt ebenfalls die unklare Kostensituation bei der massenhaften Investition in neue Lesegeräte und die Bearbeitungssoftware in Behörden, Krankenhäusern und Arztpraxen dar.

Wir lehnen die E-Card in der geplanten Form ab.

SIE SIND GEGEN ÄMTERHÄUFUNG?

Für Offenlegung aller berufspolitischen Ämter, Sitzungsgelder und Aufwandsentschädigungen; gegen Ämterhäufung und Selbstbedienungsmentalität.

SIE HABEN NOCH IDEALE?

Trotz aller Frustration: Wir lieben unseren Beruf und wollen Ihre und unsere Ideale besser verteidigen!

Wählen Sie deshalb LDÄÄ Liste 6!

www.ldaeae-hessen.info